Bei WhatsApp, Signal, Telegram und europäischen Alternativen wie Threema oder Teleguard ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der eigentlichen Chat-Inhalte inzwischen meist solide umgesetzt – Telegram bildet hier allerdings eine wichtige Ausnahme (siehe unten). Der Alltagsunterschied zwischen den Diensten liegt daher weniger in der reinen Verschlüsselungstechnik als in drei anderen Punkten: dem Umgang mit Metadaten, der Absicherung von Backups und dem grundsätzlichen Geschäftsmodell des Anbieters.
WhatsApp (Meta)
WhatsApp gehört zu Meta Platforms, dem Konzern hinter Facebook und Instagram. Wer den Dienst nutzt, sollte wissen, dass sich Metas Geschäftsmodell über Werbung und die Auswertung von Nutzerdaten finanziert. WhatsApp erhebt alle Daten, die in der App hinterlegt werden – etwa Name, Geburtsdatum, Telefonnummer, Profilstatus und Profilbild – und übermittelt zusätzlich umfangreiche Metadaten an den Mutterkonzern, darunter:
- wer wann online ist,
- wer mit wem zu welcher Zeit kommuniziert,
- wie viele Kontakte ein Nutzer hat,
- wie viele Geräte registriert sind, inklusive deren IP-Adressen,
- die Telefonnummer als dauerhaft sichtbarer Identifikator.
Zudem gleicht WhatsApp das Adressbuch der Nutzer ab, um anzuzeigen, welche Kontakte die App ebenfalls verwenden. Problematisch dabei: Auch Namen und Telefonnummern von Personen, die selbst gar kein WhatsApp nutzen, landen auf diesem Weg auf den Servern – ohne dass diese Personen dem jemals zugestimmt haben.
Als US-Unternehmen unterliegt Meta außerdem dem US CLOUD Act, der amerikanische Behörden berechtigt, von US-Anbietern gespeicherte Daten herauszuverlangen, unabhängig davon, wo die Server stehen. Die verschlüsselten Chat-Inhalte selbst sind davon kaum betroffen, wohl aber Metadaten und Cloud-Backups. Wichtig zur Einordnung: WhatsApp-Backups in Google Drive oder iCloud sind standardmäßig weiterhin nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt; Nutzer müssen die entsprechende Option manuell aktivieren. Meta arbeitet zwar an einem eigenen, standardmäßig verschlüsselten Backup-Dienst als Alternative zu Google Drive/iCloud, dieser befindet sich (Stand 2026) aber noch in der Testphase und ist nicht der Standard für alle Nutzer.
Telegram
Telegram verschlüsselt normale Chats nicht standardmäßig Ende-zu-Ende. Nur die separaten „Geheimen Chats" zwischen zwei Geräten sind es. Alle übrigen Chats, Gruppen und Kanäle sind lediglich zwischen Gerät und Server verschlüsselt, das heißt Telegram selbst kann sie technisch einsehen. Das operative Hauptquartier des Unternehmens liegt seit einigen Jahren in Dubai, während die Server nach Angaben des Anbieters weltweit auf mehrere Rechenzentren verteilt sind. Die Unternehmensstruktur ist zusätzlich über mehrere Jurisdiktionen (unter anderem London und die Britischen Jungferninseln) verzweigt. Das erschwert es, klar zu bestimmen, welchem Recht gespeicherte Daten im Einzelfall unterliegen, und macht die rechtliche Durchsetzbarkeit von Auskunfts- oder Löschungsansprüchen schwierig. Bekannt ist Telegram vor allem für seine Gruppen- und Kanalfunktionen. Der Dienst steht allerdings immer wieder in der Kritik, weil sich dort Gruppen mit extremistischen Inhalten organisieren und Hassrede sowie Verschwörungstheorien verbreitet werden, auch weil Moderation und Melde-Mechanismen im Vergleich zu anderen großen Plattformen als deutlich schwächer gelten.
Signal
Signal unterliegt als US-Unternehmen formal ebenfalls dem CLOUD Act, sammelt aber (anders als WhatsApp) bewusst kaum Metadaten. Die Technik „Sealed Sender" verschlüsselt selbst die Absenderinformation, sodass nicht einmal Signals eigene Server ohne Weiteres sehen, wer mit wem schreibt. Signal finanziert sich als gemeinnützige Stiftung über Spenden statt über Werbung, es besteht also kein wirtschaftliches Interesse an der Verwertung von Nutzerdaten. Ein weiterer Pluspunkt: Sowohl der Client als auch das zugrunde liegende Signal-Protokoll sind quelloffen und wurden von unabhängigen Sicherheitsforschern vielfach geprüft.
Threema und Teleguard (Schweiz)
Threema und Teleguard sitzen beide in der Schweiz, deren Datenschutzniveau die EU-Kommission als angemessen ("adäquat") einstuft. Für Schweizer Anbieter gilt grundsätzlich: weniger Metadaten-Sammlung, keine werbebasierte Finanzierung, kein direkter Zugriff durch den US CLOUD Act.
Threema verzichtet komplett auf die Telefonnummer als Pflichtangabe, die Nutzung erfolgt über eine anonyme ID. Persönliche Daten wie Telefonnummer, Adresse, Profilbild oder Teilnehmer*innen von Gruppen werden nicht gespeichert. Finanziert wird der Dienst über eine einmalige Kaufgebühr statt über Werbung, der Quellcode der Apps ist offen einsehbar und wurde mehrfach unabhängig geprüft.
Auch Teleguard verzichtet auf die Angabe einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Der Dienst finanziert sich über Spenden. Allerdings sei die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterschiedlichen Recherchen zufolge ungenügend abgesichert.
Europäische Messenger im Überblick
| Threema ist ein Messenger aus der Schweiz. Der Dienst setzt besonders auf Datenschutz und Sicherheit. Für die Nutzung ist keine Telefonnummer notwendig. Nachrichten und Anrufe sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Die Server des Anbieters befinden sich in der Schweiz. Für die Installation von Threema auf dem Smartphone oder Tablet ist eine einmalige Gebühr von 3,99 Euro (entspricht dem Preis eines Cappuccinos) zu zahlen. Der Dienst kann ohne, dass weitere Kosten anfallen, uneingeschränkt genutzt werden. Einziger Nachteil: Viele entscheiden sich dennoch für nichtkostenpflichtige Anbieter, die trotz Verschlüsselung der Nachrichten umfangreiche Metadaten (Daten über die Kommunikation) sammeln. Dazu gehört u.a. wer mit wem schreibt, Zeitstempel, IP-Adressen, Standorte und Gerätedaten. | |
| TeleGuard ist ein Messenger des Schweizer Unternehmens Swisscows. Die Kommunikation ist verschlüsselt, die Server stehen in der Schweiz. Der Dienst wirbt außerdem damit, keine Benutzerdaten oder IP-Adressen zu speichern. Er ist komplett kostenlos und wird durch Spenden finanziert. Für die Registrierung ist weder die Angabe eine Telefonnummer noch E-Mail-Adresse nötig. Wichtig: Unterschiedlichen Recherchen zufolge wird die Verschlüsselung als ungenügen eingestuft. | |
| Olvid ist ein Messenger aus Frankreich. Für die Registrierung ist keine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer erforderlich. Für Privatpersonen ist Olvid kostenlos. Der Dienst legt besonderen Wert auf Datenschutz und sichere Kommunikation. Sowohl die versendeten Inhalte als auch die Metadaten werden verschlüsselt. | |
| ginlo ist ein Messenger aus Deutschland, der besonderen Wert auf Datenschutz und sichere Kommunikation legt. Die Daten werden auf Servern in Deutschland gespeichert und die Nachrichten sind verschlüsselt. Eine Besonderheit: Kontakte können auch über eine ginlo-ID hinzugefügt werden, ohne die eigene Handynummer weiterzugeben. |
