Eine Studie von Wissenschaftler*innen der Universität Kopenhagen, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der TU Dresden hat untersucht, wie soziale Netzwerke entscheiden, welche Beiträge wir in unserem Feed sehen – und welchen Einfluss das auf unsere Meinungen hat.
Dafür bewerteten zunächst rund 500 Personen politische Beiträge. Anschließend erhielten etwa 1.000 weitere Teilnehmende unterschiedliche Zusammenstellungen solcher Beiträge.
Das Ergebnis
Viele soziale Netzwerke zeigen vor allem die Beiträge, bei denen sie viele Reaktionen erwarten – zum Beispiel Likes oder Kommentare. Dieses sogenannte Engagement-Ranking kann dazu führen, dass Menschen zwar besonders interessante Inhalte sehen, sich ihre politischen Ansichten aber stärker voneinander entfernen. Außerdem können dadurch falsche Einschätzungen begünstigt werden.
Die Studie untersuchte deshalb zwei andere Möglichkeiten, Beiträge auszuwählen:
Bridging-Verfahren
„Bridging“ bedeutet, dass vor allem Beiträge angezeigt werden, die von Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten positiv bewertet werden. Es geht also um Inhalte, die nicht nur für eine bestimmte Gruppe interessant sind. In der Studie führte dieser Ansatz teilweise dazu, dass die Teilnehmenden stärker zu gemeinsamen Einschätzungen kamen.
Intelligence-Verfahren
Beim „Intelligence“-Verfahren steht dagegen nicht die Einigkeit im Mittelpunkt. Hier werden Beiträge danach ausgewählt, ob sie dabei helfen, zu möglichst zutreffenden Einschätzungen zu kommen. Besonders bei Fragen, deren Antworten sich überprüfen lassen, konnten die Teilnehmenden dadurch teilweise genauere Einschätzungen entwickeln.
Wichtig ist: Keine der beiden Methoden war bei allen Themen gleichermaßen erfolgreich. Welche Methode besser funktioniert, hängt vom jeweiligen Thema ab.
Warum ist das wichtig?
Die Studie zeigt: Algorithmen sind nicht einfach nur technische Werkzeuge. Sie entscheiden mit darüber, welche Informationen wir sehen – und können dadurch auch beeinflussen, wie wir über politische und gesellschaftliche Themen denken.
Schon kleine Veränderungen daran, wie Beiträge in sozialen Netzwerken ausgewählt und angezeigt werden, können deshalb Auswirkungen darauf haben, wie Menschen Informationen bewerten und welche Ansichten sie entwickeln.
Die Autor*innen der Studie sprechen sich deshalb dafür aus, soziale Netzwerke schrittweise so zu gestalten, dass sie stärker dem Gemeinwohl dienen und nicht allein darauf ausgerichtet sind, möglichst viele Reaktionen und Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Zusammengefasst:
- Algorithmen prägen Überzeugungen: Die Art, wie Inhalte sortiert werden, hat messbare Effekte darauf, was Menschen glauben.
- Engagement ist problematisch: Inhalte, die viele Reaktionen auslösen, führen zu stärkerer Polarisierung und weniger genauen Einschätzungen.
- Konsens ist möglich: Spezielle „Bridging“-Algorithmen können helfen, Meinungsunterschiede zu verringern.
- Mehr Wissen durch andere Auswahl: „Intelligence“-Algorithmen verbessern teilweise die Genauigkeit von Überzeugungen.
- Große Wirkung kleiner Änderungen: Bereits einfache Anpassungen der Rankinglogik können erhebliche Effekte auf kollektives Denken haben.
Herzliche Grüße
Ria
🎙️ Das war ein Beitrag von Ria Hinken, Trainerin für Digitalkompetenzen im Alter: https://alterskompetenz.info/
