Age Bombs Reality Check #02
Das Märchen von den digital Abgehängten
Von Robert Eysoldt
Das Klischee - Man hört es immer noch erstaunlich oft: Menschen über 65 hätten mit der digitalen Welt wenig zu tun. Das Internet sei zu kompliziert. Apps sowieso. Und neue Technologien erst recht. Dieses Bild hält sich in Medienberichten und manchen Debatten erstaunlich hartnäckig.
Der Blick in den Alltag
Schaut man allerdings in den Alltag, wirkt diese Vorstellung schnell schief.
Online-Banking gehört für viele längst dazu. Reisen werden digital gebucht, Einkäufe online erledigt, Nachrichten im Netz gelesen. Apps erinnern an Termine oder helfen dabei, schnell etwas zur eigenen Gesundheit nachzuschlagen.
Für viele Menschen ist das Internet einfach ein praktisches Werkzeug im Alltag.
Was die Zahlen zeigen
Und auch die Zahlen einer Bitkom-Studie sind da ziemlich eindeutig.
- Rund 74 Prozent der Menschen über 65 in Deutschland nutzen das Internet regelmäßig.
- Bei den 65- bis 69-Jährigen sind es sogar 98 Prozent.
- Bei bei den über 80-Jährigen ist fast jede zweite Person online.
- Und drei Viertel der Internetnutzer über 65 sagen, dass sie sich ein Leben ohne Internet kaum noch vorstellen können.
Wie Digitalisierung genutzt wird
Schaut man noch genauer hin, wird auch sichtbar, warum digitale Technologien so selbstverständlich geworden sind: Sie lösen Alltagsprobleme.
Online-Banking spart Wege. Reisen lassen sich schnell vergleichen. Nachrichten sind jederzeit verfügbar. Informationen zu Gesundheit, Behörden oder Veranstaltungen sind nur ein paar Klicks entfernt.
Digitale Technologien werden deshalb meist nicht aus Technikbegeisterung genutzt, sondern aus einem einfachen Grund: weil sie praktisch sind.
Haltung zur Digitalisierung
Auch die Haltung zur Digitalisierung fällt deutlich aus.
- 81 Prozent der Menschen über 65 sehen Digitalisierung grundsätzlich als Chance für die Gesellschaft.
- Gleichzeitig sagen 66 Prozent, dass sie in Deutschland eher zu langsam vorankommt. Und auch das Interesse an neuen Technologien ist da.
- Mehr als die Hälfte der Menschen über 65 hat bereits Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz ausprobiert. Und 47 Prozent sagen, dass sie gern mehr darüber lernen würden.
Digitale Technologien folgen keinen klaren Altersgrenzen
Wie digital jemand lebt, hat in erster Linie mit Interessen zu tun, mit Umfeld, mit Erfahrung und oft ganz einfach damit, ob eine Technologie im Alltag wirklich nützlich ist.
Die meisten Menschen über 65 sind längst online.
Aber die Debatte hinkt häufig hinterher. Höchste Zeit für ein kleines Systemupdate.
Quelle
Bitkom Studie zur Internetnutzung und Digitalisierung von Menschen ab 65 in Deutschland:Generation Silver Surfer: Drei Viertel der Seniorinnen und Senioren sind online | Presseinformation | Bitkom e. V.
Der Age Bombs Reality Check für den digitalen Alltag
Auch wenn Digitalisierung für viele Menschen längst zum Alltag gehört, fühlen sich manche noch nicht als Expertin oder Experte. Das ist völlig normal.
Digitalisierung ist kein Wettbewerb. Niemand muss alles können und niemand muss jede neue Anwendung sofort verstehen.
Die meisten Menschen haben sich digitale Dinge Schritt für Schritt angeeignet. Erst E-Mails. Dann vielleicht Online-Banking. Später das Smartphone. Und irgendwann kommt wieder etwas Neues dazu.
So wächst digitale Erfahrung ganz von selbst.
Es lohnt sich, neugierig zu bleiben. Denn digitale Werkzeuge können vieles im Alltag einfacher machen.
Und wer einmal anfängt, merkt schnell: Vieles ist weniger kompliziert, als es zunächst wirkt.
Und man muss das nicht allein herausfinden. Es gibt viele Orte und Angebote, die genau dafür da sind. Lokal, niedrigschwellig, oft direkt in der Nachbarschaft. Ein Blick darauf lohnt sich.
Digitalisierung ist deshalb weniger eine Frage des Alters als eine Frage der Neugier. Und Neugier hat kein Alter.
Was ist der Age Bombs Reality Check?
Der Age Bombs Reality Check von Robert Eysoldt schaut auf Situationen, Begriffe und Routinen, die wir im Alltag zu selten hinterfragen. Jede Ausgabe nimmt einen solchen Moment auseinander und zeigt, welche Altersbilder darin stecken und welche Wirkung sie entfalten können.
Age Bombs ist eine kreative und beratungsstarke Agentur die sichtbar macht, wie Altersbilder Entscheidungen prägen und wie eine altersdiverse Gesellschaft aussehen kann. Mehr über Age Bombs und die Angebote finden Sie hier: AgeBombs.com

